Bikini-Polizei in Honduras

Honduras: In meinem Beitrag Mehr Sicherheit im Gepäck schreibe ich über das Gefühl der Sicherheit, das man in sich tragen kann bzw. wie man dieses Gefühl in sich selbst stärkt. Äußere Umstände kann man damit natürlich nicht beeinflussen – allerdings glaube ich, dass man umso weniger schwierige Situationen anzieht, je selbstbewusster man auftritt.
Es ist aber in der Tat so, dass ich auf Reisen noch nie so wirklich ernsthaft in Schwierigkeiten war. Dafür bin ich sehr dankbar. Okay, ja.. ich bin in Situationen geraten, die unbequem oder unangenehm waren, aber einen echten Schaden habe ich bisher nie davon tragen müssen. Glücklicherweise. 🙂

Ärger mit der Inselpolizei in Honduras

Das Schlimmste war wohl, zur honduranischen Polizei zitiert zu werden. Ich wurde gerügt, dass ich im Bikini über die Insel gelaufen sei und sollte eine Strafe von US$ 1.000,- zahlen. Da ich nicht meinen Mund halten konnte und ich gut genug Spanisch sprach, diskutierte ich mit dem dicken und unsympathischen Polizisten recht vehement, weil ich das gar nicht einsah. JEDER auf der Insel lief in Badehose, Bikini oder Badeanzug rum!!!
Okay, ja, ich hätte ein T-Shirt und Shorts oder ein Kleidchen tragen können – aber die meisten trugen eben nur einen Bikini oder eine Badeshorts. Ohne nix.
Ich war wütend, weil ich auch nur gemacht hatte, was andere taten!
Deswegen war es aber nicht korrekt.

Es gab tatsächlich Insel-Regeln, die am Bootssteg öffentlich aushingen. Kein Mensch liest die aber, wenn er mit einem kleinen Boot auf einer wunderbaren Insel anlegt! Der Polizist zeigte sie mir – und ja, eine Regel lautete tatsächlich, dass man sich angemessen zu kleiden habe. Was „angemessen“ hieß, wollte ich gar nicht so genau wissen.
Ich fühlte mich einer gewissen Willkür ausgesetzt. Was sollte ich tun? Ich hatte das Geld nicht. Schon gar nicht bei mir. Ich kam ja direkt von der Tauchbasis, in der ich arbeitete, wo ich erfahren hatte, dass ich zur Polizei kommen solle. Außerdem sah ich das überhaupt nicht ein, WARUM ich das bezahlen sollte. Ich fühlte mich ungerecht behandelt und versuchte, mich durchzusetzen. Gleichzeitig war ich aber auch ordentlich eingeschüchtert. Ich hatte Angst, im schlimmsten Fall ins honduranische Gefängnis auf dem Festland zu müssen. Schluck. Hoffentlich gibt es nur eins für Frauen… Keine schöne Vorstellung. Panik breitete sich schlagartig in mir aus… Ich erklärte ihm so ruhig es ging, dass ich das Geld nicht bei mir trug.
Das war plausibel, ich hatte ja nur meinem Bikini an und sonst gar nichts dabei. Das verstand sogar er. Als ich ihn fragte, ob ich denn auch eine Quittung bekäme, wenn ich die Summe zahlen würde, antwortete er mit „nein“. Natürlich nicht. Klar. Das Geld sollte wohl auch nur in seine private Tasche fließen… Innerlich dachte ich mir: ‚Jetzt gebe ich Dir das Geld erst recht nicht!‘

Ich lief hastig zu der Tauchbasis zurück und erzählte total aufgebracht, was passiert war. Ich war wütend und verzweifelt zugleich. Die Tauchlehrer und Inhaber stellten sich voll hinter mich und waren völlig irritiert von dem Vorfall und dieser Anschuldigung. Vorsichtshalber verließ ich dann aber kurzfristig die Insel. Ein paar Tage später kehrte ich jedoch wieder zurück und wollte mich der „Gefahr“ stellen.
Ich sah nach wie vor nicht ein, warum er Recht behalten sollte. Ich hatte nichts Unrechtes getan und wollte weiter in Utila, Bay Islands, leben und arbeiten! Basta!

Man wird sehr mutig, wenn man etwas mit voller Leidenschaft und aus tiefsten Herzen möchte… 🙂

Als ich auf der Insel zurückkehrte, wurde ich als kleine ausländische Heldin gefeiert. Die Polizei am Festland hatte von dem Vorfall Wind bekommen und sich den Insel-Polizisten suspendiert. Mit sofortiger Wirkung. Die Inselbewohner freuten sich sehr, weil sie ihn nie sonderlich gemocht hatten und er den Inselfrieden gelegentlich gestört hatte. Damit war für mich die Gefahr gebannt, es wurde eine große Party gefeiert und ich blieb noch ein paar Wochen. Schön, wenn sie Probleme von selbst in Luft auflösen! Toll, oder?!

Weitere Vorfälle im Ausland

Ansonsten gab es keine Vorkommnisse, die besonders nennenswert sind.
Ach doch, ja… Zum Glück war ich aber nicht selbst betroffen!

  • Ich habe miterlebt, wie ein überladenes Passagierschiff vor meinen Augen gekentert ist. Das Boot, das ich eigentlich mit einem Freund nehmen wollte – kurz vor der Abfahrt entschied ich aber intuitiv, ein anderes Boot zu nehmen. Schlimm war an dem Unfall vor allem, dass ein paar amerikanische Touristen die Opfer mit der Videokamera filmten anstatt zu helfen (damals gab’s noch keine Smartphones). Das fand ich ganz schlimm. Am liebsten hätte ich sie von Bord geschubst, um mehr Platz für Hilfesuchende zu schaffen. Wir konnten nicht alle Opfer an Bord nehmen, nur die Verletzten – denn sonst wäre auch unser Boot auch wegen Überladung gesunken. Wir halfen den Verwundeten aus dem Wasser und überzeugten die anderen, zum Strand zu schwimmen. Wir versprachen, Hilfe zu rufen – was wir natürlich auch taten.
  • In Burma bzw. Myanmar war ich einmal auf einem Liveaboard Trip und wir hatten abends darüber gewitzelt, dass es bestimmt in der Region Piraten gäbe, die uns hier in der Einsamkeit überfallen könnten. Wir wurden in dieser Nacht nicht überfallen, aber ein anderes Boot, was zwei Buchten weiter gelegen hatte. Das fühlte sich schon komisch an.
  • In Shanghai hat ein Taxifahrer meinen ehemaligen Sales Manager aus London so ordentlich übers Ohr gehauen. Der hatte fast das Zehnfache bezahlt, was die Fahrt normal hätte kosten können bzw. was mich die Taxifahrt vom Flughafen zum Hotel gekostet hatte. Tja, manchmal hat man Glück und manchmal hat man Pech…

Achtung: In Stuttgart wurde mir mal die Handtasche geklaut, obwohl 3 Freunde da waren und auf sie hätten aufpassen sollen, als ich zur Toilette ging. Das hat mich mächtig geärgert. Ich denke, dass uns überall etwas Unangenehmes passieren kann. Hier in Deutschland genauso wie irgendwo anders auf der Welt. Wieso sollte ich also mehr Angst haben im Ausland als hier?

Beiträge, die Dich interessieren könnten: