Blåvand: Strandperle in Dänemark

Blåvand

Was hat der Wald auf der Eisernen Hand im Taunus mit Blåvand, einem kleinen Ort in Dänemark zu tun? Auf den ersten Blick gar nichts. Was verbindet diese zwei Orte miteinander? Eine Geschichte.

Am 16. August 2014 war ich – wie so oft – auf der Eisernen Hand im Taunus spazieren. Ich liebe es, die Seele baumeln zu lassen, den Kopf frei zu kriegen, nur der Musik des Waldes zu lauschen und die Farben und Gerüche der Natur zu genießen. Doch diesmal passierte etwas ganz Ungewöhnliches. Obwohl in diesen Rundweg schon unzählige Male gegangen bin, hatte ich an einer Stelle plötzlich ein intensives Déjà-Vu Erlebnis.
Ich wurde schlagartig in meine Kindheit zurück versetzt. Die Dünengräser am Wegrand, der besondere Lichteinfall an einer Lichtung, der Duft der Bäume und des Waldbodens lösten in mir ein ganz besondere Erinnerung aus: ich war ein kleines Mädchen in Dänemark.

Als Familie waren wir oft in Dänemark im Urlaub gewesen. Es war immer toll. Wir hatten ein eigenes Ferienhäuschen mit einem großen Garten, meistens auch mit einer eigenen Schaukel und einer großen Spielwiese, unendlich breite Sandstrände, sehr viel Wind und schützende Dünen, schöne Picknickdecken mit vielen Leckereien zum Naschen und unendlich viel Zeit zum Spielen im und am Wasser. Wir waren sehr viel draußen und bei Regen spielten wir Gesellschaftsspiele wie Mensch ärgere Dich nicht, Mau Mau oder auch Canasta.
Ich liebte es, draußen rumzutollen und alles unter die Lupe zu nehmen: Frösche beobachten oder Krebse, Seesterne oder Quallen am Stand fangen, um sie nach dem genauen Begutachten wieder freizulassen. Meine Schwester und ich rannten aber immer schreiend davon, wenn wir eine kleine, harmlose Blindschleiche sahen.

Der Waldspaziergang an diesem Tag erinnerte mich jedoch an ein Erlebnis in einem Wald in Dänemark, wo wir als Familie Brombeeren oder so pflückten. Ich war klein und das Gras war viel größer als ich. Ich erinnerte mich in diesem Moment genau, dass ich Angst hatte, weil ich meine Eltern nicht sehen konnte (die mich aber zum Glück gesehen haben).
Irgendwie fühlte ich mich also in diese Zeit zurückversetzt, ganz real, ganz live. Ich ging diesem Gefühl nach und vergaß die Zeit im Wald. Ich verließ den Weg und lief quer durch den Wald, einfach so, nur dem Gefühl folgend. Ich genoss die frische, feuchte Luft, den Moosgeruch, spürte das warme Sonnenlicht auf meiner Haut, das mich hier und da durch die Bäume erreichte. Ich weiß nicht genau, wie viel Zeit ich wirklich im Wald verbrachte – ich vermute so 3-4 Stunden. Als ich mich auf den Weg nach Hause machte, spürte ich ganz tief in mir: ich muss nach Dänemark. Irgendwas ist da. Ich hatte das Gefühl, ich müsse einen verlorenen Teil von mir dort abholen.

Als ich zu Hause ankam, rief ich meine Mutter an. Ich erzählte ihr, was mir geschehen war. Sie war so gerührt, dass sie zu weinen anfing. Sie freute sich sehr, dass ich so lebendige Erinnerungen an unsere Familienurlaube hatte. Nicht nur mich hat dieser Nachmittag im Wald im Herzen berührt, sondern auch sie. Es war mir eine große Freude, dass ich ihr so eine große Freude bereiten konnte – so unerwartet! So herzlich! Okay, dass ich damals Angst hatte, habe ich natürlich nicht erzählt. 😉

Ich fragte sie dann, wo ich denn als Kind das erste Mal in Dänemark gewesen sei und wann das war. Sie überlegte nicht lange und antworte: „Das war in Blåvand. Wann, das kann ich Dir leider nicht so genau sagen. Lass mich überlegen…“… sie zögerte und dann entsprang es ihr: „Ich erinnere mich aber, dass in der Zeit, als wir damals da waren, Elvis gestorben ist!“
Prima, dachte ich – das lässt sich googlen!
Das tat ich dann natürlich auch sofort.
Noch mit meiner Mutter am Telefon.
Und weißt Du was?!
Elvis ist am 14. August 1977 gestorben.
Genau an jenem Tag – vor 37 Jahren!
Das ging mir unter die Haut. Das musste etwas bedeuten!
Ich zögerte nicht lange, packte ein paar Sachen zusammen und fuhr am nächsten Morgen los.
Nach Blåvand. 850 km. One way.

Ich fuhr erst einmal nach Hamburg und übernachtete dort bei einem Freund. Am Folgetag kam ich in Blåvand an und es fühlte sich unglaublich schön an. Ich fühlte mich sofort heimisch, so, als ob ich wirklich einen Teil von mir abgeholt habe.

Blåvand

Ich wohnte in einer kleinen schönen Ferienwohnung, die wirklich sehr süß war und auch absolut meinem Geschmack entsprach. Ich blieb für 3 Tage, genoss den kleinen, familienfreundlichen Ort, der sehr viel größer geworden ist als ich ihn in Erinnerung hatte. Dennoch war er sehr gut wiederzuerkennen. Es gibt eine Hauptstraße, an der sich alle Geschäfte aneinanderreihen. Ich musste schmunzeln, als ich die Kinderspielsachen in den Körben der Geschäfte sah: Eimer, Schaufeln, Schmetterlingsnetze, mit denen meine Schwester und ich vorzugsweise Kleintiere und kleine Fische an den Steinmolen am Strand gefangen haben.

Die Umgebung in Blåvand hatte sich verändert. Es gab viel mehr Ferienhäuser als früher. Teilweise auch sehr moderne Häuser. Die meisten waren aber noch relativ einfache Häuschen, gut erhalten, gepflegt und einladend.

Es versetzte mich in eine Zeit zurück, in der es für mich nur Spaß, Freude, Lachen und keine Sorgen gab. Das war echter Urlaub für die Seele. Es war wunderschön. Ein paar Tage Seelenfrieden tanken.

Am Strand selbst hat sich nicht viel verändert. Blåvand hat einen unendlich langen und breiten Sandstrand. Hier fahren keine Autos und die Wellen rollen kraftvoll in den weichen Sand. Man kann unzählige Muscheln sammeln, sehr schöne Steine finden und auch vereinzelte Bernsteinstücke entdecken. Je nach Wetter und Wassertemperatur kann man kilometerweit und stundenlang barfuß im seichten Wasser den Strand entlang laufen.

Der Wind bläst kräftig, aber mit einem echten Friesennerz oder einer dicken wind- und wasserdichten Jacke lässt es sich sehr gut aushalten. Dicke Socken und festes Schuhwerk sollte man aber auf jeden Fall dabei haben, denn das Wetter kann sehr schnell wechseln. Vom klaren, warmen Sonnenschein zu Regenwolken mit kaltem Regen. So ist das Wetter eben manchmal: ursprünglich, unberechenbar und unbeständig. Natürlich kann man in den Sommermonaten Glück haben und ausschließlich Sonnenschein genießen – aber sicher ist das an der Nordsee bestimmt nicht.
Für Erwachsene hat Blåvand einen anderen Charme als ein sonniger Urlaubs- und Badeort. Es sind die mächtigen Naturkräfte, denen man hier in Reinform begegnet: Wasser, Wind, Luft, Sonne, Erde, Sand. Fantastisch.

Fazit

Blåvand ist ein wunderbarer Ort, um lange Spaziergänge zu machen, die Seele baumeln zu lassen, die Natur zu spüren und sich selbst wieder ein bisschen auf ganz friedliche Weise neu zu finden.
Der Weg mag aus dem Rhein-Main-Gebiet sehr lang erscheinen – und nach 1.700 km für drei Tage hatte ich von meinem MX5 und den doch recht harten Sportsitzen definitiv auch genug – aber die Reise war und ist es wert. Ich würde es sofort wieder machen.

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