Leisure Sickness: Tipps, um im Urlaub gesund zu bleiben

Leisure Sickness

Als ich das erst mal etwas über Leisure Sickness, gelesen habe, war ich sichtlich irritier: Es gibt eine Freizeitkrankheit? Ernsthaft? Wie kann das möglich sein? Und, was genau hat es damit auf sich?

Um es kurz zu machen: Leisure Sickness beschreibt das Phänomen, wenn man kurz vor dem Urlaub oder im Urlaub krank wird. Offenbar sind ziemlich viele Menschen in Deutschland davon betroffen – Angaben im Internet zu folge nämlich jeder Fünfte. Das ist erschreckend!

Der Verlauf ist etwa wie folgt: Man freut sich auf den langersehnten Urlaub, will endlich richtig abschalten und dann kommt plötzlich alles ganz anders: Die Nase läuft, der Hals schwillt an, der Kopf pocht und die Glieder schmerzen. Eine fiese Erkältung oder eine fette Grippe kündigen sich an und drohen, den Urlaub so richtig zu vermiesen. Notgedrungen muss man das Bett hüten, anstatt am Strand oder Pool zu liegen oder in den Bergen zu wandern. Na, klasse.

Was steckt hinter der Freizeitkrankheit?

Im ersten Moment mag es unlogisch klingen, aber Leisure Sickness holt uns ausgerechnet dann ein, wenn der Urlaub beginnt und wir vom stressigen Alltag abschalten wollen.

Bei einem genaueren Hinsehen wird deutlich, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Stressabfall und Krankwerden. Unser Immunsystem arbeitet bei Stress unter Hochdruck und schützt uns zuverlässig vor Krankheiten während dieser Belastungszeit. Sobald der Körper dann im Urlaub runterfährt und zur Ruhe kommt, fährt auch das Immunsystem runter und reduziert die Produktion der Abwehrzellen. Das erhöht die Gefahr, an allerlei Krankheitserregern leichter zu erkranken.

Experten sprechen dabei von einem „Open-Window-Phänom“, weil Erreger in unserer täglichen Umgebung ungebremst wie durch ein offenes Fenster in den Körper eindringen können.

Offenbar gibt es einen Zusammenhang zwischen der Anfälligkeit von Leisure Sickness und bestimmten Eigenschaften. Besonders betroffen sind Menschen mit folgenden Merkmalen:

  • Perfektionisten
  • Dauer-unter-Strom-Steher und Immer-in-Action-Kandidaten, die nie Pause machen
  • Leistungsdruck-Denken und hohe Erwartungen, auch, wie ein Urlaub sein muss

Was also tun gegen Leisure Sickness?

Leisure Sickness vermeidet man am besten, indem man seine allgemeinen Lebensgewohnheiten nachhaltig so verändert, um grundsätzlich weniger Stress ausgesetzt zu sein und gleichzeitig deutlich mehr für die eigene Gesundheit zu tun. Das klingt plausibel, aber genau das ist die große Herausforderung.

Tipp für eine schnelle Lösung gegen die akute Leisure Sickness Gefahr

Eine Möglichkeit ist, die letzten Tage vor dem Urlaub nicht mehr mit Terminen vollzuknallen, sondern vorausschauend mehrere Tage vor dem letzten Arbeitstag Projekte zu beenden und frühzeitig zu übergeben – nicht alles auf den letzten Tag schieben. Der Stresspegel ist erheblich höher, kurz vor knapp noch schnell-schnell dies und jenes erledigen zu müssen.

Tipp für eine mittelfristige Lösung: mehr Zeit einplanen

Eine Alternative ist, sich zukünftig vor der Abreise in den Urlaub 1-2 Tage zu Hause frei zu gönnen, damit mit ausreichend Zeit hat, um alles  in Ruhe zu erledigen: Packen, notwendige Erledigungen vornehmen, wie z.B. den Hund in die Hundepension bringen, die Pflege der Eltern während der Abwesenheit sichern, dem Nachbarn die Schlüssel übergeben, die Pflanzen gießen, den Reiseproviant einkaufen und vorbereiten und viele andere Details. Bei langen, belastenden Anreisen, z. B. mit dem Auto oder dem Flugzeug mit Reisezeiten von mehr als 8 Stunden, kann es hilfreich sein, einen Stopp-Over für 1-2 Nächte auf dem Weg zur Hauptdestination einzuplanen.

Wichtig ist, nicht zu versuchen, alles an einem Tag zu schaffen: Projektübergabe, alle Reisevorbereitungen treffen, die Familie versorgen, Anreisen und dann noch an alles denken, gut aussehen und lächeln. Das ist blanker Irrsinn! Entschleunigung ist das passende Stichwort. Mehr Zeit für diese unzähligen Dinge einplanen. Dann erwischt einen auch die blöde Freizeitkrankheit nicht!

Tipp für eine langfristige Lösung: Gewohnheiten ändern

Um sich langfristig für Leisure Sickness zu schützen, hilft nur, seine Gewohnheiten und Denkweisen zu hinterfragen und die nicht so förderlichen abzulegen. Welche Erwartungen hast Du an den Urlaub? Welche Erwartungen hast Du an Dich selbst? Muss immer alles perfekt sein? Musst Du immer für drei Leute mitdenken, alles gleichzeitig managen und rennst Du Deiner Zeit immer hinterher? Oder hast Du die Kontrolle über Deine Zeit, nimmst Dir genug Freiraum im hektischen Alltag und gehst regelmäßig zum Sport und Deinen kreativen Hobbies nach? Wie ernährst Du Dich? Was tust Du für Dich? Fährst Du ständig am Anschlag, bist am Limit und hast trotzdem das Gefühl, dass es nicht reicht?! Ist Deine Agenda, was Du noch erledigen willst, immer länger als das, was Du schon erledigt hast? Dann ist es Zeit, umzudenken und einen Gang runterzuschalten. „Busy“ zu sein ist heutzutage sexy und wirkt auf viele Menschen attraktiv. Gesund ist das allerdings nicht. Was zum hektischen Alltag dazugehört und irgendwie „normal“ geworden ist, rächt sich, sobald der Urlaub naht – nämlich mit krankwerden.

Allgemeiner Tipp: Mutiger sein

Ich glaube, dass viele von uns sicher selbst sehr viel mehr Stresse zumuten und selbst machen als sie müssten. Ein wesentlicher Aspekt, um alte, nicht förderliche Gewohnheiten abzulegen, die zu Stress führen, ist Mut: Mut,

  • „Nein“ zu sagen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben
  • nicht alles perfekt zu machen und trotzdem happy zu bleiben
  • nicht immer online verfügbar zu sein und das okay zu finden
  • nicht Everbody’s Darling sein wollen und sich dabei verbiegen und notorisch im totalen Endstress zu sein
  • anderen Grenzen setzen, um Freiraum für sich selbst zu schaffen
  • Dinge anders zu machen und Veränderungen zu wagen
  • zu entschleunigen und zu sagen, wenn einem etwas zu viel ist und das in Ordnung zu finden.

Wir machen uns viel zu oft verrückt, weil wir uns Gedanken darüber machen, was sich andere über uns denken. Mutig sein heißt, sich zu trauen, dass einem das auch mal egal ist und sich selbst wichtig zu nehmen. Zu denken und zu sagen „Jetzt bin ich dran.“ Wer es nicht übertreibt und ständig nur an sich denkt, ist nicht egoistisch – sondern intelligent und vernünftig. Seine eigenen Grenzen zu kennen, auf sich und seine Gesundheit aufzupassen – ist aus meiner Sicht – die beste Prävention, um gesund zu bleiben und um eins zu vermeiden: Leisure Sickness.

Wenn Du noch mehr Gesundheitstipps für den Urlaub suchst – dann findest Du ganz viele davon in meinem Buch: „Sonnenlaune – 555 Tipps für einen schönen Urlaub“, das im Mai 2019 erscheint.

Folgende Artikel interessieren Dich vielleicht auch: